Am 23.02, dem Tag der Bombardierung Pforzheims im Jahr 1945, nutzen Neo-Nazis um den Verein „Ein Herz für Deutschland“ mittlerweile seit 14 Jahren um durch eine „Mahnwache“ dem „Kriegsverbrechen“ des „Bombenholocaust“ zu gedenken. Angesichts dieser Veranstaltung gibt es seit dem Jahr 2002 Protestaktionen in Pforzheim. So auch in diesem Jahr. Bedingt durch eine breite Mobilisierung innerhalb des Baden-Württembergischen Bündnisses der Antifaschisten fand im Anschluss an den Aktionstag auf dem Marktplatz um ca. 16 Uhr eine Demonstration mit rund 500 bis 600 Teilnehmern statt.
Abgesehen von der Durchsuchung des Heidelberger Busses und einer Kessel- und Durchsuchungsaktion am Bahnhof hielt sich die Polizei vornehmlich zurück. Im Anschluss an die Demonstration fand eine Spontandemo zum Bahnhof statt, aus der sich ca. 200 Aktivisten lösten um den Weg zum Wartberg (dem Versammlungsort der Neo-Nazis) anzutreten.
Während sich in der Innenstadt das sichtbare Polizeiaufgebot in Grenzen hielt, bot sich am Wartberg ein anderes Bild. Alle Zufahrtsstraßen waren durch ein Frühwarnsystem bestehend aus Streifenwagen gesichert, auf dem Berg zog ein Hubschrauber seine Runden, der Stadtbusverkehr vom und zum Wartberg war zum Ärgerniss viele PforzheimerInnen ausgesetzt worden und der Veranstaltungsort war durch mehere Kontrollpunkte der Polizei, welche nach eigenen Angaben mit 600 Beamten im Einsatz war, gesichert.
Diese Sicherheitslinie hatte jedoch auch ihre Schwachstellen. So wurde die Rückseite des Berges aus Richtung Bretten kommend nur sperrlich überwacht, so dass durch einen kleinen Fußmarsch durch ein Industriegebiet der Sammelpunkt der Neo-Nazis erreicht werden konnte. Mangels Ortskenntnisse latschte man jedoch eher planlos durch die Gegend und fand durch Zufall eine kleine Zufahrtsstraße welche, wie sich später herausstellt von den Rechtsextremen zur Anreise genutzt wurde. Über diese gelangt man zum Parkplatz eines LIDL- Marktes der als Treffpunkt fungierte. Der Parkplatz selbst war durch 8 Beamte, die sich die Zeit mit dem erzählen schlechter Witze vertrieben, gesichert. Am anderen Ende standen 6 Wannen. Aufgrund der schlechten Lichtverhältnisse war jedoch nicht zu erkennen ob diese besetzt waren.
Um 18.30 Uhr versammelten sich dort schon ca. 25 zumeist Jugendlich Neo-Nazis welche im Outfit der nationalen Autonomen auftraten und den Autonummern nach zu urteilen aus dem Großraum Calw stammten. Einige Ältere Semster warteten unterdessen in Ihren Autos auf den Beginn der Veranstaltung. Bis zum Beginn der „Mahnwache “ wuchs die Zahl auf 140 Teilnehmer heran.
Währendessen diskutierte die Einsatzleitung der Polizei wild gestikulierend in und vor ihrem Einsatzfahrzeug auf dem Wartberg nahe der Haltestelle der Linie 3. Und fragte sich: aus welcher Richtung die Antifa nun auf den Berg kommen wird. Von gelassener Routine wie aus manchem Zeitungsartikel herauszulesen war, keine Spur.
Vom Bahnhof kommend macht sich gegen 18.50 Uhr eine kleine Gruppe klischeehaft gekleideter Neo-Nazis zu Fuß über die Nordstadt auf zum Wartberg. Führt man sich die große Anzahl von Antifaschisten, welche sich ebenfalls in dem Gebiet bewegten vor Augen war das Vorhaben mehr als fragwürdig. Doch noch bevor man zur Fragestellung übergehen konnte, flüchtet die Gruppe in eine nahegelegene Eckkneipe.
Fazit: Der Aktionstag und die Demo in Pforzheim waren vollauf gelungen, die Passanten zeigten sich aufgeschlossen und auch die Presse wußte das friedliche Verhalten der Antifaschisten zu würdigen.
Eines macht uns jedoch etwas sorgen. Es ist zunehmend immer öfters zu beobachte, wie fast schon fanatisch manche Antifaschisten auf den Kleiderkult fixiert sind. Eine Szene, die sich weltoffen und tolerant gibt sollte nicht allem „anderstartigen“ gegenüber misstrauisch sein. Ein schwarzer Kapuzenpuli und eine Sonnenbrille machen keinen Autonomen und auch keinen Antifaschisten aus. Und ein anderer Kleidungsstil sollte nicht sofort Misstrauen und die wildesten Verschwörungstheorien auslösen. Denn der Zweck heiligt die Mittel.